Johannesburg soll aufs Fahrrad umsteigen

| September 26, 2014
Johannesburg1

Außerhalb der größeren Städte gibt es verschiedene Programme, um Fahrräder für Schulkinder zu beschaffen.

Weniger als ein Prozent aller Pendler in Johannesburg benutzt das Fahrrad. Aber das kann sich bald ändern. Berater aus Dänemark waren in Johannesburg, um den Prozess in Gang zu bringen.

Von Henrik Køster, COWI

Johannesburgs Politiker wollen untersuchen, wie man das Radfahren als Transportform präsentieren und damit hohes Verkehrsaufkommen und Umweltverschmutzung in der Stadt reduzieren kann. Es gibt bereits viele Südafrikaner, die Fahrrad fahren, aber sie tun es außerhalb der Städte als sportliche Betätigung. Die Herausforderung liegt deshalb darin, das Radfahren als gewöhnliche Art der Fortbewegung in urbaner Umgebung einzuführen.

Verstärkung aus dem Norden
Einer der ersten Schritte in Richtung Steigerung des Fahrradaufkommens war es, Verstärkung anzufordern. In einem durch die Weltbank unterstützten Projekt wurden zwei der Planungs- und Transportfachleute von COWI deshalb gebeten, Empfehlungen dafür auszusprechen, wie man die Einwohner Johannesburgs zum Radfahren motivieren kann.

„Das ist eine sehr interessante aber auch komplexe Aufgabe, da Verkehrssicherheit und persönliche Sicherheit die größten Hinderungsgründe dafür sind, dass die Stadt zu einer Fahrradstadt werden kann,“ sagen Marketingchef Carsten Glenting und Projektleiter Henrik Køster, und weisen auf die vielen Raubstraftaten, Überfälle, Diebstähle und Verkehrsunfälle hin. Gleichzeitig gibt es auch einige wesentliche geografische und topografische Herausforderungen in Bezug auf die enorme Ausdehnung der Stadt und das hügelige Gelände zu meistern.

Um die bestmögliche Beratung zu erbringen, haben die beiden Spezialisten von COWI mit Troels Andersen aus Dänemark, seines Zeichens Berater und Fahrradguru, zusammengetan, sowie mit Gehl Archticts und der amerikanischen Firma Alta Planning & Design, die darauf spezialisiert ist, große Stadtareale in fahrradfreundliche Orte umzuwandeln. Alle Partner verfügen über weitreichende multinationale Erfahrung mit Fahrradverkehrsprojekten.

Ein vielfältiger Einsatz
Das Projekt mündete zunächst in eine Evaluierung derjenigen Ansätze, die das Radfahren in Johannesburg am besten ermöglichen, in Gang bringen und unterstützen. Das Ergebnis enthält Empfehlungen

• wie man öffentlich-private Infrastrukturpartnerschaften etablieren kann und damit einen skeptischen öffentlichen Sektor davon überzeugt, dass das Fahrrad nicht ein Konkurrent, sondern vielmehr eine Verlängerung der Reise mit Bus oder Bahn ist.
• wie man eine Struktur entwickelt, die möglichst vielen Einwohnern Zugang zu einem Fahrrad verschafft.

Die Themen wurden in Johannisburg im November 2012 in Workshops diskutiert. Vor dem Hintergrund der Diskussionen erarbeiteten die Partner einen Katalog der Möglichkeiten, der sich weit über Themen wie die Einführung von Citybikes, sichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder, Kombination mit dem öffentlichen Personennahverkehr, der Einrichtung grüner Routen sowie internetgestützte Streckenplanung erstreckte.

Johannesburg2

Johannesburg hat viele grüne Gebiete, in denen die Wege mit einfachen Mitteln zu Fahrradwegen ausgebaut werden können.

Johannesburg arbeitet weiter daran
COWIs Evaluierung wurde 2013 abgeschlossen, aber im vergangenen Jahr hat die Stadt an den Ideen weitergearbeitet und ist ein großes Stück vorangekommen. „Wir haben schon mächtig Fahrt gewonnen, indem wir eine Fahrradstrecke fertig gestellt haben, eine sich im Aufbau und eine dritte sich in der Planungsphase befindet“, sagt die Verwaltungsdirektorin der Johannesburger Straßenbaubehörde, Lisa Seftel, die die Arbeiten federführend begleitet. „Wir haben zwei `Familien-Freiheit-Fahrrad-Fahrten´ arrangiert, die jede über 5.000 Personen angezogen hat, und unsere Machbarkeitsstudie zum Fahrrad ist zu 50 Prozent abgeschlossen“, fügt sie hinzu.

Vielleicht also wird Johannesburg in einigen Jahren als die fortschrittlichste Fahrradstadt Afrikas bekannt sein.

Übersetzung aus dem Dänischen: Christina Nawrocki, www.danmark-berlin.de.

Category: Newsletters in German, September 2014- German

Comments are closed.