Die Fahrradschlange

| September 26, 2014
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Foto von Ursula Bach: Die Fahrradschlange ist breit genug, um zu überholen und um neben seinen Kindern zu radeln.

Wie eine Überführung zum Gewinn für den städtischen Raum und schwächere Verkehrsteilnehmer wurde.

Von Anna Garrett, Mobilität und städtischer Raum, Kommunalverwaltung Kopenhagen

Nie mehr das Fahrrad tragen
Viele Kopenhagener kennen es. Man fährt in Richtung Shoppingcenter Fisketorvet , um die Abkürzung über die Bryggebro nach Islands Brygge zu nehmen, um zum Beispiel das Hafenbad zu genießen. Plötzlich endet der Radweg und das Fahrrad muss mehrere Treppen hinabgetragen werden. Radfahrer und Fußgänger müssen sich den knappen Raum treppab vom Haupteingang des Fisketorvet zum Hafenkai der Kalvebod Brygge teilen. Der Höhenunterschied beträgt 5,5 Meter, und bis Juni dieses Jahres war der Weg über die Treppe mit dem geschulterten Fahrrad der tägliche Trott für 11.000 bis 12.000 Kopenhagener.

Das hat die Kommune jetzt geändert, und die Lösung ist eine regelrechte Attraktion. Neben dem Treppenaufgang ist nun nämlich eine 235 Meter lange Fahrradbrücke erbaut worden. Sie hat den passenden Namen Fahrradschlange erhalten, da sie sich zwischen den Glasfassaden der Hafenfront auf Höhe der ersten Etage hindurchwindet. Die Brücke ist Radfahrern vorbehalten, und die Fußgänger müssen nicht mehr mit ihnen um den Platz auf der Treppe konkurrieren.

Die eigentliche Oberfläche der Fahrradschlange ist orange – zur großen Freude der Zuschauer und Radfahrer. Es handelt sich um einen Kunststoff-Belag, der mit orange eingefärbtem Quarzsand bestreut ist, um Reibung zu erzeugen damit man auf dem Belag nicht rutscht, und der der Schlange ein besonderes Aussehen verleiht. Die Brücke ist vier Meter breit, was es ermöglicht, sowohl „im Plauderntempo“ zu radeln und zu überholen – sogar in den Kurven.

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Foto von Ursula Bach: Die Fahrradschlange bedeutet, dass Radfahrer, die Bryggebro kreuzen, nicht mehr ihr Fahrrad die Stufen am Haupteingang des Fisketorv hinauftragen müssen. Stattdessen können sie die Hafenaussicht erhöht zwischen den Glasfassaden der umliegenden Bürogebäude und dem isolierten Hafenbad des Fisketorv genießen.

Architekten mit Ambitionen
Die Fahrradschlange ist von den Architekten Dissing & Weitling entworfen worden, die seinerzeit auch die Bryggebro-Brücke entwarfen. Die Verbindung war ursprünglich nicht als Brücke geplant, sondern vielmehr als kleinere Rampe für Radfahrer. Dissing & Weitling überraschten jedoch mit ihrem anspruchsvollen Brückendesign und gewannen 2013 für ihre Initiative, die die ursprünglichen Erwartungen bei weitem übertraf, den Push-Up-Preis der Stadt Kopenhagen. Die Brücke hat seither 38 Mio. Kronen gekostet, wovon der Staat sechs Mio. übernommen hat.

Nach einer Entwurfsphase, die in 2010 begann, ging man Ende 2012 in die Bauphase. Zu diesem Zeitpunkt erwartete man die Fertigstellung der Brücke im zweiten Halbjahr 2013, aber das Projekt verzögerte sich, unter anderem wegen Problemen bei der Lieferung des Stahls für die Brückensegmente und die Rampe, die mit dem Frachtschiff ganz aus Schanghai geliefert werden sollten. Am 28. Juni konnte die Fahrradschlange endlich eingeweiht werden, und der Senator für Technik und Umwelt, Morten Kabell, nahm Interessierte mit auf eine Fahrradsafari. Auf dem Fisketorv, wo nun ein ganz neuer Stadtraum entstanden ist, weil der Fahrrad-Durchgangsverkehr nun über die Schlange geleitet wird, tanzte man Salsa, trainierte Cross Fit und ging auf Schatzsuche.

Keine Missing Links in der besten Fahrradstadt der Welt
Der Bau der Fahrradschlange ist ein weiterer Schritt auf dem Weg der Stadt Kopenhagen, die beste Fahrradstadt der Welt zu werden. Das Radwege-Netz von Kopenhagen soll zusammenhängen, damit das Fahrrad das naheliegende Transportmittel für die Kopenhagener wird, um noch einfacher und schneller durch die Stadt zu gelangen.

Fehlende Verbindungsstücke im Radwege-Netz sollen beispielweise durch den Bau neuer Fahrradwege, -brücken und -tunnel sowie Abkürzungen und die Sicherung von Kreuzungen geschlossen werden. Die Fahrradschlange wird schätzungsweise Zeiteinsparungen für Radfahrer von über fünf Millionen Kronen im Jahr ergeben, wobei die übrigen positiven Effekte neben der Zeiteinsparung nicht eingerechnet sind. Darüber hinaus wird erwartet, dass der Anteil der Radfahrer aufgrund der Eröffnung ansteigen wird. Dies bedeutet, dass die Fahrradschlange sich schon nach acht Jahren amortisiert hat, legt man allein die Zeiteinsparung zugrunde.

Übersetzung ins Deutsche: Christina Nawrocki, www.danmark-berlin.de.

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Category: Newsletters in German, September 2014- German

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