Erster Masterkurs “Fahrradfreundliche Innenstadt” – ein Erfolg!

| June 16, 2014
EMBARQ Masterclass

Besichtigung vor Ort mit Studien zur Infrastruktur des Fahrradfahrens und Verkehrsregeln für Fahrradfahrer. Einige der Teilnehmer waren „neu“ im Straßenverkehr.

Die Dänische Fahrradbotschaft hat soeben ihren allerersten Masterkurs “Fahrradfreundliche Innenstadt”(„Bikeable City“) durchgeführt. Der positiven Bewertung der Teilnehmer nach zu urteilen, wird es nicht der letzte gewesen sein.

Von Lotte Bech, Urban Cycle Planning

Im Mai war die Dänische Fahrradbotschaft (Cycling Embassy of Denmark) in Kopenhagen Gastgeberin eines Masterkurses für Stadtplaner aus der Türkei, Brasilien und Mexiko, die der Organisation EMBARQ angehören, sowie Mitarbeiter des Hauptquartiers in Washington und deren Partner aus verschiedenen Kommunen der Türkei.

Zweck war es, die Planer und Partner von EMBARQ zur Einbeziehung des Fahrradfahrens in ihre urbanen Projekte zu anzuregen und zu qualifizieren. EMBARQ unterstützt Behörden und öffentliche Träger bei einer nachhaltigen Stadt- und Mobilitätsplanung sowie bei Projekten der städtebaulichen Entwicklung und Erneuerung, wo die Herausforderungen darin bestehen, eine Kultur des Radfahrens aus den örtlichen Gegebenheiten heraus zu entwickeln und zu stärken. Es war das Ziel des Masterkurses, die Inspiration durch die dänische Fahrradkultur für brauchbare Lösungen in den Städten, in denen sich EMBARQ betätigt, zu nutzen.

Radwege allein genügen nicht

Cüneyt Cetintas von der Transport- und Verkehrsverwaltung der Metropolregion Kocaeli in der Türkei beschreibt, wie der Masterkurs Einblick in die behördliche Fahrrad-Planung in seiner besonderen Situation ermöglichte:

„Wir hatten ungefähr 32 km Radwege von guter Qualität gebaut, aber nur wenige Radfahrer nutzten sie. Der Masterkurs half mir, die Welt des Fahrradfahrens zu verstehen. Ich begriff, dass es nicht ausreicht, ein sehr gutes Radwegenetz zu bauen, um die Leute zum Radfahren zu veranlassen. Fahrradfahren muss als kultureller Bestandteil in das tägliche Leben integriert werden. Wie die Architekten von Gehl Architects sagten: `Es geht nicht nur um Hardware oder Software. Fahrradkultur ist beides gleichzeitig´. Während wir großartige Pläne entwerfen, müssen wir darauf achten, was in der Stadt passiert. Wie bewegt sich die Stadt? Wie verbringen die Leute ihr Leben und was genau benötigen sie, um eine lebenswerte Stadt zu erhalten?“

Eine politische Agenda

Das Programm war nach EMBARQs Wünschen und Anforderungen zurechtgelegt und berücksichtigte besonders Themen wie Sicherheit auf den Straßen, Design der Fahrrad-Infrastruktur sowie politische Prozesse und Einstandspflichten. Teilnehmer waren besonders an der Politik des Fahrradfahrens interessiert und trafen sich mit Morten Kabell, Chef der für den Großraum Kopenhagen zuständigen Umwelt- und Verkehrsverwaltung, der über die politische Agenda für die Stadt sprach.

Der Masterkurs wurde durch den Verband Dänischer Fahrradfahrer (Danish Cyclists´ Federation) mit Lotte Bech aus dessen Internationalem Komitee als Kursleiterin organisiert. Verschiedene Experten führten das Lehrprogramm im Rahmen von Vorlesungen, Diskussionen, Praxis-Workshops, Aufgabenstellungen und Besichtigungen aus. Sie machten allen Kursteilnehmern eine Informationsplattform mit dem Know-How des fahrradgerechten Planens zugänglich, um zukünftige Planungen zu unterstützen. Folgende Experten einschließlich Mitglieder der Dänischen Fahrradbotschaft nahmen teil: Stadt Kopenhagen, Gehl Architects, COWI, der Verband dänischer Fahrradfahrer, die Universität Aalborg, die Verkehrspolizei von Kopenhagen sowie Consia Consultants.

Sicherheit auf den Straßen: ein Schlüsselthema

Die Teilnehmer waren von dem umfassenden Überblick, den sie über die Themen Verkehrssicherheit und Design einer fahrradspezifischen Infrastruktur erhielten,  hocherfreut. Nicolae Dudutas von EMBARQ Washington drückte es so aus: „Was ich an dem Masterkurs am meisten mochte, war die Gelegenheit, Experten des Verkehrsdesigns für Fahrradfahrer kennenzulernen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Wir konnten sehr wichtige Themen bis ins Detail mit ihnen besprechen, beispielsweise, wie mit Konflikten umzugehen ist, bei denen an Kreuzungen links abbiegende Radfahrer involviert sind oder wie in Konflikten zwischen Bussen, Radfahrern und Passagieren an Bushaltestellen zu vermitteln ist.“

Die Teilnehmer selbst “erfuhren” auch als urbane Radfahrer Kopenhagen, da sie täglich mit dem Fahrrad zum Kursort in ca. 4 km Entfernung fuhren. So schlossen sie sich mit den vielen Pendlern zusammen, die täglich zur Arbeit oder zum Ausbildungsplatz in Kopenhagen radeln (tatsächlich nehmen 41% der Pendler das Rad!). Wie es einer der Kursteilnehmer ausdrückte: „Vor allem hat das Radfahren Spaß gemacht, aber es war auch eine unschätzbare Erfahrung, das wohldurchdachte Netzwerk der Fahrrad-Infrastruktur kennenzulernen und direkt die Integration des Fahrradfahrens in den urbanen Straßenverkehr von internationalem Spitzenrang zu sehen und davon zu lernen.“

Positive Resonanz könnte weitere Masterkurse bedeuten

Die Auswertung zeigt, dass sowohl Kursteilnehmer als auch Lehrer sehr zufrieden waren. Die Teilnehmer drückten Zufriedenheit und Begeisterung aus und stuften ihren Nutzen aus dem Masterkurs als sehr relevant für ihre Arbeit ein. Ganz sicherlich werden auch künftige Teilnehmer diesen Kurs relevant für ihre spezifische Arbeit finden.

Um weitergehende Information über den Masterkurs zu erhalten, besuchen Sie bitte www.cycling-embassy/bikeable-city-masterclass oder kontaktieren Sie das Sekretariat unter info@cycling-embassy.org.

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Category: June 2014 - German

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