Der niederländische Ansatz – Erkenntnisse aus dänischer Perspektive

| November 26, 2013

Was können dänische Fahrradplaner von den niederländischen lernen? Das war die Kernfrage, als sich zahlreiche Mitglieder der dänischen Fahrradbotschaft (Cycling Embassy of Denmark) im September 2013 auf eine Studienreise begaben. 23 Radfahr-Experten besuchten sechs verschiedene niederländische Städte und unsere Partnerorganisation, die Niederländische Fahrradbotschaft.Obwohl Holland und Dänemark in Bezug auf das Radfahren ziemlich ähnliche Perspektiven einnehmen, ist die Weise, wie wir die Dinge umsetzen, oft unterschiedlich. Grundsätzlich sind sowohl der ländliche Raum als auch die Städte in Holland viel dichter besiedelt als in Dänemark. Dies führt zu kürzeren Entfernungen und dadurch zu einer besseren Ausgangssituation für Fahrradbefürworter. Einige Städte in Dänemark sind hügelig, was der primäre Grund für eine geringere Fahrrad-Rate als in vergleichbaren Städten ist. Andererseits unterstützen die weltweit höchsten KfZ-Steuern die dänischen Städte, ernsthafte Probleme mit der Verkehrsbelastung durch Autos zu vermeiden.

Fahrradparkplätze

Aufgrund der engen niederländischen Städte sind zahlreiche Abstellmöglichkeiten für Fahrräder dringend erforderlich, nicht nur an Bahnhöfen, sondern auch an Knotenpunkten in den Innenstädten.  In den letzten Jahren scheint sich die Situation deutlich verbessert zu haben. Sehr gute Fahrradparkhäuser werden errichtet, die an Fassungsvermögen deutlich die dänischen übersteigen.  Rampen, Beleuchtung und guter Überblick sind ihre generellen Merkmale, und ziemlich oft findet man zudem Luftpumpen und Fahrradwerkzeug vor. Sogar die Möglichkeit, einen Kinderwagen zu leihen, existiert in manchen dieser Center.

Der Bahnhof von Utrecht sprengt alle Rekorde – im Jahr 2020 soll er 33.000 Fahrradstellplätze an unterschiedlichen Orten auf dem Bahnhofsgelände umfassen, so die Planung.

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Vorfahrt für Radfahrer

Ganz allgemein sieht es so aus, als wären die niederländischen Städte restriktiver gegenüber Autos und Großparkplätzen und als hätten sie Autoparkplätze eher an den Rändern der Zentren konzentriert, als es in dänischen Städten der Fall ist. Tempo-30-Zonen sind in niederländischen Stadtzentren häufiger ausgewiesen als in dänischen.

Niederländische Orte wie Zwolle und Groningen geben den Radfahrern besonders hohe Priorität – so hoch, wie man es selbst in Dänemark (noch) nicht kennt. Spezielle Regensensoren  erleichtern den Radfahrern die Fahrt, um lange Wartezeiten im Regen zu verhindern.

Count-Down-Ampeln für Radfahrer sind bislang nur aus den Niederlanden bekannt. Ähnlich wie bei Wartenden an Fußgängerampeln zeigt sich, dass die Wartezeit aufgrund des Displays als halb so lang wahrgenommen wird. Fahrradfelder vor den Autos sind in den Niederlanden gebräuchlicher. Verkehrsampeln mit einer besonderen Fahrradphase für alle Richtungen sind schon an einer Handvoll holländischer Knotenpunkte eingerichtet, während sie in Dänemark noch getestet werden.

Sowohl in den Niederlanden als auch in Dänemark gibt es für Radfahrer besondere Abfallbehälter, die in die Richtung der Radfahrer geneigt sind. Fahrradstraßen, auf denen Radfahrer den Vorrang vor Autos haben, wurden kürzlich in Dänemark auf der Grundlage jahrelanger Erfahrungen aus den Niederlanden eingerichtet. In Houten hält ein spezieller Zaun den Wind von Rad fahrenden Pendlern ab.

Während fünf dänische Städte erst damit begonnen haben,  Super-Radwege zu bauen, kann man diese in den Niederlanden überall im Land bereits auf verschiedenen Strecken finden. In Zwolle bestehen sie aus Gießbeton mit einem erhabenen Teiler in der Mitte und einer LED-Beleuchtung, die durch Bewegungsmelder gesteuert wird.

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Schlussfolgerungen

Ganz allgemein können wir folgende Lehren ziehen:

  • Städte viel kompakter bauen.
  • Mehr Tempo-30-Zonen und Fahrradstraßen ausweisen.
  • An Kreuzungen den Radfahrern höhere Priorität einräumen.
  • Mehr Fahrrad-Schnellstrecken einrichten.
  • Mehr Fahrrad-Park-Center von hoher Qualität und hoher Kapazität bauen.
  • Weiterhin gute Leistung erbringen!

Übersetzung ins Deutsche von Christina Nawrocki, www.denmark-berlin.de

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Category: November 2013

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