Sind Radfahrer gute Konsumenten?

| August 26, 2013

Das war die Leitfrage in einer Studie zum Einkaufsverhalten von Radfahrern, die von der Stadt Kopenhagen in Auftrag gegeben wurde. Die Antwort lautet: Ja!Von Marie Kåstrup, Kopenhagen.

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Photo: Ursula Bach

Die Stadt Kopenhagen hat eine umfangreiche Studie über den Zusammenhang zwischen Einkaufs- und Transportverhalten durchgeführt. Die Studie basiert auf einer Online-Umfrage, die im März 2012 mit 3.000 Teilnehmern, die in Kopenhagen in der Woche zuvor auf Shopping-Tour gewesen waren, vorgenommen wurde. Die Antwortgeber wurden zu ihrem allgemeinen Einkaufsverhalten unter der Woche befragt, ebenso wie zu detaillierter Information über die Transportmittel zu ihren letzten Einkaufstouren.

Die meisten Einkäufe in Kopenhagen geschehen per Fahrrad

Werden ebenerdige Geschäfte und Supermärkte (Einkaufspassagen ausgenommen) besucht, so werden 58% aller Shopping-Trips in Kopenhagen per Fahrrad oder zu Fuß vorgenommen. Das Rad ist das häufigste Transportmittel für Einkäufe; 35 % aller Einkaufstouren werden per Rad absolviert und nur 20 % mit dem Auto.

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Radfahrende Kunden konsumieren mehr

Was die Einnahmen betrifft, so geben Fahrrad fahrende Kunden insgesamt 2,05 Mrd. € jährlich aus, während Autofahrer etwas weniger, nämlich 2,04  Mrd. € im Jahr, ausgeben. Insgesamt stehen zu Fuß gehende und Rad fahrende Kunden für 55 % des gesamten in Läden und Supermärkten erwirtschafteten Ertrages.

Interessanter Weise geben Radfahrer pro Besuch und pro ganzem Einkaufstrip weniger aus als Autofahrer. Radfahrer geben durchschnittlich 30 € pro Besuch und 50 € pro Einkaufstour aus, während Autofahrer 60 € pro Besuch und 90 € pro Einkaufstour ausgeben. Der Grund, weswegen Rad fahrende Kunden trotzdem mehr Einkünfte generieren als Auto fahrende Kunden, liegt darin, dass Radfahrer generell häufiger einkaufen als Autofahrer, was die Tendenz, weniger pro Besuch auszugeben, kompensiert.indkøb

Der „Kopenhagen-Effekt“

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die generell hohe Zahl von Radfahrern in der City selbst, d.h. unter allen Einwohnern. Die Tatsache, dass Rad fahren schon die beliebteste Fortbewegungsart der Kopenhagener ist, erhöht selbstverständlich den Anteil der per Rad absolvierten Shopping Trips. Dies wird durch die Tatsache betont, dass Radfahren und Gehen jeweils einen Anteil von 38 % der Shopping Trips der Kopenhagener ausmachen, was sich auf jährlich 35 Mrd. respektive per Rad oder zu Fuß vorgenommene Einkaufstouren jährlich summiert. Umgekehrt wird fast die Hälfte aller Einkaufstouren mit dem Auto von Personen vorgenommen, die außerhalb von Kopenhagen leben und die zum Einkaufen in die City kommen. Im Durchschnitt nutzen Kopenhagens Einwohner das Auto nur für jeden siebten Einkaufstrip, das sind 15 % aller Einkaufstouren.

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Photo: Ursula Bach

Parkmöglichkeiten am Geschäft

Die Studie legt nahe, dass Parkmöglichkeiten ein Hindernis für Einkäufe per Fahrrad sein können. Obwohl 67 % der Rad fahrenden Kunden mit den Parkmöglichkeiten an dem Geschäft, in dem sie eingekauft hatten, zufrieden waren, gaben 26 % derjenigen, die den Einkauf per Rad in Erwägung gezogen und dann doch ein anderes Transportmittel gewählt hatten, an, dass die Abstellmöglichkeiten für Fahrräder ihre Entscheidung, nicht das Rad zu wählen, beeinflusst habe. Zudem zeigt eine weitere Umfrage der Stadt Kopenhagen, dass die allgemeine Zufriedenheit radelnder Kopenhagener mit den Abstellmöglichkeiten an Geschäften bei nur 26 % liegt. Dies legt nahe, dass Rad fahrende Kunden mit Bedacht Geschäfte mit besseren Parkmöglichkeiten auswählen als der Durchschnitt, und dass nicht-radelnde Kunden das Abstellen der Räder als ein Hindernis ansehen.indkøb parking

Übersetzung ins Deutsche von Christina Nawrocki, www.denmark-berlin.de

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Category: August 2013, Newsletters in German

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