Odense begeistert Kinder fürs Radfahren

| June 5, 2013

In der Stadt Odense ist das Projekt „Fahrradfreundliche Schule” zu einer Reaktion auf viele Herausforderungen geworden – und nicht zu der Frage, warum die Kinder nicht zur Schule radeln. Hier hat man nämlich das Fahrrad als naheliegendes Element in alle Aspekte des Schullebens integriert.

Von Connie Juel Clausen, Odense

Bike school in odense

Im Landkreis Odense legen ca. 80 % der Kinder ab der dritten Klasse den Weg zur Schule zu Fuß oder per Fahrrad zurück. Im Vergleich zum Landesdurchschnitt ist das ein hoher Anteil, aber dennoch verbleiben ca. 20 % der Kinder, die zur Schule gefahren werden. Diese letzten Prozente sind meist am schwierigsten zu motivieren. Deswegen bedarf es unkonventioneller Methoden, um die Begeisterung für das Radfahren auf neue Weise zu fördern.

In dem Projekt „Fahrradfreundliche Schule“ werden die Ziele und Bedürfnisse aus mehreren Bereichen kombiniert: Die Verkehrsplaner möchten, dass noch mehr Personen Fahrrad fahren, um Stau- und Sicherheitsprobleme um Umfeld der Schulen zu lösen. Die Schulen möchten das Lernen und die Inklusion der Kinder verbessern. Die Kommune bemüht sich mit vielen Initiativen um mehr Leben in der Stadt und eine bessere Gesundheit der Einwohner. „Fahrradfreundliche Schule“ vereinigt sämtliche Aspekte.

Bike school in odense

„Fahrradfreundliche Schule“ wird die Antwort – nicht die Frage
Das Konzept von „Fahrradfreundliche Schule“ führt dazu, dass das Fahrrad ein Teil der Antwort auf viele Herausforderungen wird – und nicht zu der Frage, warum die Kinder nicht zur Schule radeln.
Indem das Fahrrad als selbstverständliches Element in alle Aspekte des schulischen Lebens (Unterricht, Hort, Veranstaltungen, Elternaktivitäten usw.) integriert wird, wird eine Kultur des Radfahrens geschaffen, in der das Fahrrad „einfach“ ein Mittel ist, um andere Ziele zu erreichen, und damit die Grundlage dafür schafft, alle Möglichkeiten für spannende Ausflüge, fachliche Exkursionen, körperliche Bewegung sowie Spaß und besseres Lernen auszunützen.

Sonderschüler kümmern sich um Fahrrad-Fuhrpark
Um sicherzustellen, dass alle Klassen die Chance haben, Fahrradtouren zu unternehmen – auch mit den Schülern, die selbst kein Fahrrad zur Verfügung haben – wurde an einer der Teilnehmerschulen in zwei Fahrrad- Klassensätze investiert, die entliehen werden können. Die Pädagogen sind mit der Regelung sehr zufrieden, die sie für eine wichtige Voraussetzung halten, um die fahrradfreundlichen Aktivitäten an der Schule zu realisieren. Oft wurden jedoch Probleme an den Leihfahrrädern festgestellt, da sie nicht gepflegt wurden, ihnen die Beleuchtung oder Luft fehlte usw.

Dafür hat die Schule nun eine Lösung gefunden, die sich zudem als großer pädagogischer Gewinn erwiesen hat. Im Fahrradkeller der Schule wurde eine Fahrradwerkstatt eingerichtet, die von einem Sonderpädagogen geleitet wird, und die er zusammen mit den der Schule betreibt, die einen höheren Betreuungsbedarf haben. Sie kümmern sich um die Leihfahrräder der Schule und reparieren sie, damit sie ständig in einem guten Zustand und einsatzbereit sind. Gleichzeitig bieten die Schüler tagsüber einen Fahrradservice (kleinere Reparaturen, Flicken, Wäsche usw.) für die Fahrräder der Mitschüler und der Pädagogen an. Die Maßnahme ist ein großer Erfolg sowohl für die Sonderschüler als auch für den Rest der Schule.

Die Sonderklassen sind mit der Aufgabe gewachsen und merken, dass sie eine wichtige und verantwortungsvolle Tätigkeit ausüben. Der Betrieb der Fahrradwerkstatt verlangt Fähigkeiten der Schüler in Bezug auf Sprache und Mathematik, beispielsweise indem die Schüler Informationen im Mitarbeiterportal veröffentlichen, und dient damit sowohl einem pädagogischen als auch einen fachlichen Zweck, was die Kompetenzen und die Entwicklung der Sonderschüler anbelangt.
Und für die Lehrer und Erzieher der Schule bedeutet es, dass kein Hinderungsgrund mehr besteht, wenn es darum geht das Gebäude zwecks Fahrradtour zu verlassen, da die Räder immer in Ordnung und einsatzbereit sind.

Bike school in odense

Die Schulen nutzen die Stadt
Beide an dem Projekt teilnehmenden Schulen nutzen zahlreiche städtische Einrichtungen, indem sie die verschiedenen Ziele per Fahrrad erkunden. Als Ausflugsziel werden beispielsweise der Zoo, Museen, Festivals, Fitnesscenter und die Spielplätze der Stadt angesteuert.

Ein Lehrer berichtet: „Jetzt haben wir viel bessere Möglichkeiten, die Kinder mit auf Exkursionen zu nehmen. „Fahrradfreundliche Schule“ hat unser Klassenzimmer wirklich erweitert und die Möglichkeiten verbessert, den Unterricht für die Kinder interessant zu machen.“

Übersetzung ins Deutsche von Christina Nawrocki, www.denmark-berlin.de

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Category: June 2013, Newsletters in German