Ob Sonnenschein, ob Schnee – Dänen radeln

| December 4, 2012

Elisabeth Frederiksen, 52, legt täglich 27 Kilometer mit dem Fahrrad zurück und ist eine unbeirrbare Radfahrerin, die beinahe ganzjährig auf den Radwegen anzutreffen ist. Wird sie gefragt, warum sie sich nicht durch die kalten Wintermonate davon abhalten lässt, ihre tägliche Fahrt auf dem Rad zu unternehmen, antwortet sie: „Weil ich ohne nicht leben kann.“

Von Mai-Britt Kristensen, Danish Cyclist´s Federation

Dänemark ist berühmt für seine Fahrrad-Kultur.  Eine Frage, die in diesem Zusammenhang oft von auswärtigen Besuchern gestellt wird, ist: Was passiert im Winter? Radeln die Dänen dann nicht? Die Nationale Dänische Mobilitätsstudie (TU) hat der dänischen Fahrrad-Kultur auf den Zahn gefühlt und gibt einen Teil der Antwort.

Fahrten mit dem Fahrrad machen 17 % aller Individualfahrten aus, aber die Mobilitätsstudie zeigt deutlich jahreszeitlich bedingte Fluktuationen. Im Durchschnitt radelt jeder Däne in jedem der drei Wintermonate 40 % weniger als im Rest des Jahres. Trotzdem fahren die Dänen immer noch Rad. [1]

Folgt man der Verkehrssoziologin und Wissenschaftsberaterin der Danish Cyclists´ Federation, Anette Jerup Jørgensen, PhD, so „ist das Fahrrad das primäre Transportmittel vieler Dänen und wird mit Freiheit und Flexibilität in Verbindung gebracht. Deswegen wird das Wetter nicht als Hindernis wahrgenommen. Die Vorteile des Radfahrens gleichen ganz einfach die Nachteile des Radfahrens bei Schnee und Regen aus.“

Elisabeth Frederiksen stimmt zu: „Die Fahrt auf dem Rad gibt mir Zeit, meinen Job mental hinter mir zu lassen und die Dinge ins Auge zu fassen, die ich tun möchte, wenn ich nach Hause komme. Und es gibt mir Energie und rote Wangen, wissen Sie, “ fügt sie mit einem Lächeln hinzu.

Winter-Radfahrer bewegen sich an einem schneereichen Nachmittag  unbeirrbar auf den Kopenhagener Fahrradwegen. Bild: Danish Cyclists’ Federation/Andreas Hammershøj 

Ob aber die Leute trotz des Wetters weiter Rad fahren oder nicht, ist auch mit der Infrastruktur und nicht zuletzt mit deren Unterhaltung während der Wintersaison verbunden. Auch für Elisabeth Frederiksen gibt es Grenzen: „Eis auf der Strecke würde mich abhalten. Dann fühle ich mich einfach nicht sicher. Aber die Kälte stört mich nicht, vor allem nicht, seit ich in die passende Ausrüstung wie zum Beispiel Überhosen investiert habe.“

Die Stadtverwaltung von Kopenhagen ist sich der Tatsache bewusst, dass die Schneeräumung der Schlüssel dazu ist, die Leute im Winter auf den Fahrrädern zu halten. Tatsächlich hat die Stadt in 2012 das Jahresbudget für Winterdienste auf Fahrradwegen um 2 Millionen Kronen (270.000 €) jährlich aufgestockt. Trotzdem lassen einige Kopenhagener ihr Fahrrad zu Hause; 80 % der Kopenhagener radeln jedoch während der Wintermonate weiter.[2]

Weitere Informationen über das Radfahren in Dänemark: www.cycling-embassy.org.

Was ist die TU?

Die TU ist die Nationale dänische Mobilitätsstudie mit dem Zweck, das Transportverhalten der Dänen zu analysieren. Die Studie wird auf einer regulären Basis seit 1992 durchgeführt und ist heute die beste Quelle, um individuelle Transportgewohnheiten in Dänemark zu analysieren.

Weiterführende Informationen über die TU findet man unter: http://www.dtu.dk/centre/Modelcenter/English/TU.aspx

Weitere Fakten aus der Mobilitätsstudie:

Im Durchschnitt unternehmen Dänen zwischen 10 und 84 Jahren täglich 0,49 Touren von 2,28 km Länge pro Tour mit dem Fahrrad. Das bedeutet eine tägliche Strecke von 1, 45 km.

Dänen nutzen das Fahrrad umso mehr, je größer die Stadt ist, in der sie leben. In den kleinen und mittleren Städten radeln die Leute halb so viel wie die die Kopenhagener, die im Durchschnitt 2,7 km täglich zurücklegen. Die Bewohner anderer größerer dänischer Fahrradstädte wie Odense und Aarhus fahren täglich 2,3 km bzw. 2,0 km pro Person per Rad.

Übersetzung ins Deutsche von Christina Nawrocki, www.denmark-berlin.de


[1] Die Dänische Nationale Bewegungsstudie (TU)

[2] Fahrradkonzept der Stadt Kopenhagen 2011-2025.

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Category: December 2012, Newsletters in German

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  1. Newsletter 9 – December 2012 : Cycling Embassy of Denmark | July 29, 2013
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