1000 gelbe Radfahrer

| December 4, 2012

Im Frühjahr 2012 erprobte die Kommune Fredericia ein neues Konzept, demzufolge die Bürger Staffelläufe per Fahrrad mit elektronischen GPS-Geräten absolvieren sollten. Die Erfahrungen mit der „Fahrradstaffel“ zeigen Potential für eine Weiterentwicklung der Kampagne.

Von Troels Andersen, Kommunalverwaltung Fredericia

Fredericia verfolgt wie viele andere dänische Städte das Ziel, mehr Menschen zum Umsteigen auf das Fahrrad zu motivieren. Das Ziel ist ein Fahrradanteil von 25 %. Aber dies erfordert neue und effektive Maßnahmen. Die Kommune hat in der Vergangenheit die Kampagne „In 80 Tagen um die Welt“ für Schulkinder durchgeführt, wo der technische Angelpunkt die Nutzung von GPS-Einheiten war. Die Kampange erzielte recht gute Ergebnisse mit einem großen Engagement der Teilnehmer. Daher beschloss man, dieselben gelben GPS-Geräte in von Erwachsenen nutzen zu lassen: Die „Fahrradstaffel“ war erfunden.

Auf die Plätze-Fertig-Los – die Fahrradstaffel begann

25  GPS-Geräte sollten an 25 Bürger verteilt werden, von denen jeder einen Tag radelt, die gefahrenen Kilometer auf eine Kampagnen-Website hoch lädt und das GPS-Gerät an eine Person in seinem Umfeld weitergibt. Sieger sollte das Team werden, dessen GPS die meisten Kilometer angezeigt und am häufigsten den Nutzer gewechselt hatte. Das Projekt lief über zwei Monate, in denen an 40 Arbeitstagen das Rad genutzt wurde. Potentiell konnte die Fahrradstaffel somit 1000 Radfahrer aktivieren.

Die Kampange wurde mit einem Event gestartet, bei dem die auserkorenen Teamchefs ein GPS-Gerät in Empfang nahmen, die ersten Kilometer radelten und sodann das Team auf der Kampagnen-Website anmeldeten. Teamchefs waren Kommunalpolitiker, Unternehmensleiter und andere in der Gegend bekannte Persönlichkeiten – z.B. der Redakteur der Lokalzeitung. Auf der Internetseite bekam man einen Überblick über die verschiedenen Mannschaften und konnte auf einer Karte mitverfolgen, wie weit sie gefahren waren. Zudem konnte man sehen, wie oft die GPS-Geräte den Besitzer gewechselt hatten.

Die Rangliste wurde grafisch mit Fotos einiger Teilnehmer gezeigt.

Positive Ergebnisse, aber Platz für Verbesserungen

Im Verlauf der zweimonatigen Kampagne schaffte es die „Fahrradstaffel“, 220 Personen zu mindestens einer Fahrt auf dem Fahrrad zu motivieren, und unter den Teilnehmern an der Auswertung der Aktion antworteten 33 %, sie wären mehr oder sehr viel mehr Rad gefahren als sie es gewohnt seien. Die Kampagne erreichte in puncto Teilnehmerzahl allerdings nicht ihr ehrgeiziges Ziel. Aber die „Fahrradstaffel“ erfüllte einen anderen Hauptzweck, nämlich ein Konzept zu schaffen, das auf „In 80 Tagen um die Welt“ aufbaut und die GPS-Technologie weiter nutzt.

Der Auswertung zufolge bestand die Herausforderung primär darin, Teilnehmer für die Übernahme der Staffel zu finden und die technischen Probleme mit den GPS-Geräten zu lösen, die ja der Dreh- und Angelpunkt der Kampagne waren. Mögliche Verbesserungen könnten darin bestehen, den Vorbereitungszeitraum zu verlängern, um die Übernehmer der Stafette möglicher Weise vorab festlegen zu können. Die Evaluierung zeigt nämlich, dass 30 % der Teilnehmer Schwierigkeiten damit hatten, eine neue Person zur Übergabe des GPS-Geräts zu finden. Stünde der ganze Teilnehmerkreis schon von vornherein fest, würde dies einerseits den einzelnen Teilnehmer der Plicht entheben, einen Nachfolger finden zu müssen, andererseits aber den Effekt einer freien und spontanen Verbreitung des Netzwerks reduzieren, der an diesem Kampagnenkonzept neu ist. Auch Facebook könnte mit Vorteil für Organisation der Kampagne genutzt werden.

Nicht alle Elemente funktionierten also optimal. Aber das Konzept wurde erprobt, und die Erfahrungen und die Auswertung der diesjährigen Staffel haben eine Grundlage geschaffen, um es weiter und umfassend zu organisieren und nachhaltige Fahrradkampagnen entwickeln zu können.

Übersetzung ins Deutsche von Christina Nawrocki, www.denmark-berlin.de

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Category: December 2012, Newsletters in German

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