Fahrräder und Autos parken am selben Ort

| June 6, 2012

In Städten, in denen Platz zunehmend zur Mangelware wird, ist es notwendig, anders zu denken, wenn man Raum für alle Verkehrsteilnehmer schaffen will, die eine Stadt beherbergt. Ist die Stadt gleichzeitig die Großstadt  Kopenhagen mit einer sehr hohen Anzahl an Radfahrern, so benötigen sowohl Fahrräder als auch Pkw Stellplätze in ausreichender Anzahl.

Von Niels Hoé, Atkins Danmark

Können Fahrräder und Autos sich den Platz teilen?

In Kopenhagen und in anderen dänischen Städten werden zunehmend Pkw-Stellplätze in Fahrradstellflächen dadurch umgewandelt, dass auf Längs-Parkplätzen Fahrradständer montiert werden. Aber eine solche Lösung vermindert natürlich die Anzahl der Pkw-Parkplätze. Doch anstatt „entweder oder“ zu sagen, hat die Kopenhagener Kommune in Zusammenarbeit mit den beratenden Ingenieuren der Firma Atkins „sowohl als auch“ gesagt und das Konzept „Flex-Parken“ entwickelt.

Doppelte Nutzung desselben Areals

Damit Flex-Parken sich umsetzen lässt, ist es entscheidend, dass die beiden Arten von Verkehrsteilnehmern – Radfahrer und Autofahrer – zeitlich versetzte Parkbedürfnisse haben.
In einem konkreten Fall wurde Flex-Parken am Ingrid-Jespersen-Gymnasium in Kopenhagen eingeführt und getestet.
Typisch für eine Bildungseinrichtung ist, dass es viele Fahrradnutzer gibt und dass die Schüler innerhalb einer begrenzten Stundenzahl am Tag in der Schule sind. Gleichzeitig ist das Viertel um das Ingrid-Jespersen-Gymnasium ein Wohngebiet, in welchem viele Haushalte motorisiert sind. Abends steigt der Bedarf der Bewohner nach Parkraum in dem Maße, wie die Bewohner von der Arbeit zurückkehren. Genau diese Kombination von Schülern mit dem Bedarf an Fahrradstellplätzen morgens und während der Tagesstunden und Pkw-Nutzern mit Bedarf an Pkw-Stellplätzen abends und während der Nachtstunden eröffnet die Möglichkeit, dasselbe Gelände zwei Mal zu nutzen.

Das Flex-Parkkonzept

Das ursprünglich für das Abstellen von Autos vorgesehene Gebiet wird mit einem Logo und einem Text auf dem Asphalt markiert, und es werden Parkschilder aufgestellt, die anzeigen, in welchen Zeiträumen Autos bzw. Fahrräder dort parken dürfen. Im konkreten Fall bedeutet dies, dass die Fahrräder das Flex-Gebiet zwischen 7.00 und 17.00 Uhr nutzen dürfen, während die Pkw zwischen 17.00 und 7.00 Uhr dort abgestellt werden können.

Um sicherzustellen, dass die Parkzeiten eingehalten werden, wurde ein Faltblatt erstellt, das alle Schüler erhalten haben und das zugleich auch an alle benachbarten Haushalte verteilt wurde. Damit wurden sowohl die Rad- als auch die Autofahrer über die Initiative und die neuen Parkregeln informiert.

Die größte Herausforderung sind die zwei Zeitpunkte am Tag, an denen der Parktyp gewechselt wird. Es gab Situationen, wo ein Fahrrad oder ein Auto nicht entfernt worden war, ohne Anlass zu Konflikten oder Unfällen zu geben.

2+2=5

Es ist vielleicht weder für den Radfahrer eine optimale Lösung, da er keinen Fahrradständer zum Anschließen seines Fahrrads erhält, noch für den Pkw-Besitzer, der die Zeitbegrenzung einhalten soll, aber es bedeutet Abstellmöglichkeiten für beide Seiten statt ausschließlich für eine. Ohne Flex-Parken gäbe es nur ganztägiges Pkw- Parken oder Fahrradstellplätze, die nur während eines Tagesdrittels belegt sind.

Der Versuch hat gezeigt, dass es machbar ist. – Deswegen: Ja, Fahrräder und Autos können sich den Platz teilen.

Übersetzung ins Deutsche von Christina Nawrocki, www.denmark-berlin.de

Share Button

Tags:

Category: June 2012, Newsletters in German

Comments (1)

Trackback URL | Comments RSS Feed

Sites That Link to this Post

  1. Newsletter 7 – June 2012 : Cycling Embassy of Denmark | July 29, 2013