Export von dänischem Fahrradwissen

| March 27, 2012

Hat dänisches Fahrradwissen einen Exportwert?
Ja, lautet die kurze Antwort. Enorm viel Wissen ist rundum in Gemeinden und bei Beratern vorhanden, das anderen Ländern in ihren Bemühungen, den Einsatz von Fahrrädern zu steigern, zugutekommen kann. Inzwischen haben viele ausländische Städte Dänemark und unser Fahrradwissen entdeckt. In den letzten Jahren haben viele Dänen ihre Philosophie des Radfahrens auf Konferenzen im Ausland präsentiert. Mehrere Berater sind mit internationalen Aufgaben betraut worden. Demnach findet bereits in gewissem Umfang ein Export dänischer Fahrradexpertise statt.
Die ausländischen Auftraggeber legen großen Wert darauf, dass ein Berater aus Dänemark hinzugezogen wird, der als erfahrener und kompetenter Experte aus einem anerkannten Fahrradland kommt. Dabei geht es selbstverständlich darum, sich mit dem lokalen Kontext vertraut zu machen und zu verstehen, da dänisches Fahrradwissen nicht immer eins zu eins auf die Verhältnisse anderer Länder übertragbar ist (beispielsweise Kultur, Verbreitung von Fahrrädern und Gesetzgebung). Es gilt also, das Beste aus Dänemark zu nehmen und es den Gegebenheiten des jeweiligen Landes für das Radfahren anzupassen.


Innovative Fahrradlösungen im zentralen London

Im Rahmen eines Verkehrssanierungsprojekts in der Regent Street in London hat Atkins dänisches Fahrradwissen beigesteuert. Die erste sichtbare Initiative ist die Shibuya-inspirierte Fußgängerkreuzung am Oxford Circus. Eines der übergeordneten Ziele des Projekts ist es, bessere Fußgänger- und Fahrradverhältnisse zu schaffen und den Verkehr so zu leiten, dass weniger PKW und Busse die Straße benutzen.
Der dänische Beitrag zu dem Projekt bestand in der Entwicklung der Infrastruktur und innovativen Lösungen für Radfahrer und ihre Parksituation. So wurden verschiedene Serviceinitiativen wie zum Beispiel flexibles Abstellen von Fahrrädern auf Fußwegen lanciert und das Design von Fahrradständern so verändert, dass es sich dem Stadtraum mit Respekt vor dem Ausdruck der Straße und ihrer Geschichte anpasste.

Regent Street

Selbstverständlich gibt es kulturelle Unterschiede, die auch in der Wahl der Verkehrsraum-Ausstattung zum Ausdruck kommen. Der Typus Fahrradständer, der ganz überwiegend in Dänemark zur Anwendung kommt und bei dem das Vorderrad fixiert wird, ist in Großbritannien und mehreren anderen Ländern undenkbar. Hier ist es der Sheffield-Ständertyp, der verbreitet ist. Mit Respekt vor dem historischen Ausdruck der Straße und den Widerwillen des Kunden vor dem dänischen Ständertypus akzeptierend wurde der Sheffield-Ständer neu entworfen, bei dem das Emblem des Stadtteils Westminster, in welchem die Regent Street liegt, durchgängig erscheint. Das Ergebnis ist ein Ständer, der sich dem Stadtraum anpasst, da er dem Design der Laternenmasten, Abfallbehälter und Telefonzellen folgt (die klassischen roten britischen Telefonzellen sind in der Regent Street in Schwarz und Gold gehalten, ebenso wie alles andere öffentliche Inventar).
Es gibt in London einen viel geringeren Bedarf an Fahrradstellplätzen als in Dänemark, aber es kann dennoch schwierig sein, den notwendigen Platz zu finden. Die Regent Street hat sehr breite Bürgersteige, aber auch sehr viele Fußgänger, vor allem während der Ladenöffnungszeiten. Deswegen war einer der Lösungsvorschläge, das Abstellen der Fahrräder flexibel zu gestalten. So werden Felder auf den Bürgersteigen durch im Straßenpflaster verborgene Lichtquellen markiert, die abends und in den Nachtstunden angeschaltet werden, wenn Bedarf an Stellplätzen besteht.

Regent Street

Blaue Farbe geht gar nicht
Ein anderes Beispiel sind die für Dänemark charakteristischen blauen Bahnen, die die Fahrbahn der Radfahrer markieren. Diese wären in der Regent Street, die eine historische Straße ist und deren Architektur gewahrt werden muss, völlig undenkbar. Die Lösung war eine ganz leichte Markierung im eigentlichen Straßenbelag, wo eine kleine Erhebung die Auto- und Fahrradfahrer darauf aufmerksam macht, was Fahrbahn und was Radweg ist.

Share Button

Tags: , ,

Category: March 2012, Newsletters in German

Comments are closed.